Pech mit Proviant – Glück in der Liebe

St.-Annen-KapelleDer Weg von Karpacz nach Miłków führt an der St. Annakapelle vorbei. Außen eine schlichte, ausladende Zylinderform, besticht sie im Inneren durch verspielte barocke Einrichtung. Leider ist sie für Besucher nur einmal im Jahr geöffnet: am St. Annentag (26. Juli). Ein Fragment des Innenraumes kann man durch das große Schlüsselloch der Eingangstür aus massivem Holz erspähen. Die Kapelle steht am Westhang des Kräberberges (Grabowiec) und ist umgeben von einem dichten Mischwald. Unterhalb der Kapelle entspringt die Quelle „Der gute Brunnen“. Der Sage nach soll derjenige, der vom Wasser der Quelle trinkt und anschließend sieben mal um die Kapelle läuft, Glück in der Liebe haben. Die Quelle war bereits vor Jahrhunderten eine magische Kultstätte für heidnische Bräuche gewesen. Um den heidnischen Praktiken Einhalt zu gebieten, ließ ein Fürst in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts direkt neben der Quelle die erste St. Annen-Kapelle errichten, die im Laufe der Zeit regelmäßig verwüstet und zerstört wurde. Die jetzige Form des Sakralbaus stammte aus dem 18. Jahrhundert.

Barbara ist nicht dazu zu bewegen, siebenmal um die Kapelle zu laufen. Sie pfeift auf das versprochene Glück in der Liebe: Stattdessen schmollt sie auf der Bank, da wir leider Gottes unseren Lieblingsproviant, super leckere Schokowaffeln, auf dem Tisch unserer Pension liegen lassen haben. Auch meine Liebesbeschwörungen helfen nicht weiter.

Nach einer Stunde erreichen wir bei strahlend blauem Himmel Arnsdorf (Miłków). In den Gärten stehen die Obstbäume in voller Blüte inmitten bunter Blumenteppiche von Wiesen. Ein Hausbesitzer im Unterhemd schmeißt seinen elektrischen Rasenmäher an. „Schade um die Blütenpracht“, sage ich zu ihm. „Naja“, antwortet er und kratzt sich hinter dem Ohr, „das habe ich auch schon gedacht. Aber zur Majówka in ein paar Tagen erwarten wir Gäste. Und dann muss der Garten ordentlich aussehen.“ Wir gehen weiter und als wir uns umdrehen, sehen wir den Mann über seinem Blumenmeer meditieren. Der Rasenmäher geht nicht mehr an.

Eine der Hauptattraktionen in Miłków sind drei Sühnekreuze (14. bis 16. Jahrhundert) an der  St.-Hedwig-Kirche. Mörder hatten sie an der Stelle ihrer Untaten aufgestellt. Später hat man sie in die Friedhofsmauer an der St.-Hedwig-Kirche eingemauert. Etwa zweihundert Meter von hier entfernt stehen die Reste der evangelischen Kirche. Die Barockkirche aus dem 18. Jahrhundert ist nach dem zweiten Weltkrieg verfallen. Heute stehen nur noch die Außenmauern und der Kirchturm. Wir gehen über den Friedhof und entdecken den Grabstein von Alexander Stępień, der – so steht es auf dem Grabstein – während des II. Weltkrieges im 2. Korps von General Anders gekämpft hat. Das 2. Korps war der 8. britischen Armee als unabhängiger Teil unterstellt und nahm unter anderem an der Schlacht um Monte Cassino teil. Hinter den Kirchenruinen stehen und liegen Grabsteine aus Granit. Auf ihnen sind deutsche Namen zu lesen: Christiane Langner, Agnes Krahn und der Name des Sattlers Alfred Heisig. (Text und Foto: Hilbert)

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