Adam Krzemiński – in Deutschland Wissen um polnische Geschichte und Kultur gering

Adam Krzemiński
Adam Krzemiński. Foto: Mariusz Kubik, http://www.mariuszkubik.pl, Adam Krzeminski, CC BY-SA 3.0

Gemeinsam mit der Europa-Union Schleswig-Holstein lud die Deutsch-Polnische Gesellschaft in Kiel gestern Abend zu einem Diskussionsabend mit dem bekannten polnischen Publizisten und Journalisten Adam Krzemiński ein. Thema: die deutsch-polnischen Beziehungen.

Seit 1973 ist Krzemiński Redakteur der polnischen Wochenzeitschrift „Polityka“. Als herausragender Kenner Deutschlands (Er ist studierter Germanist, war unter anderem Gastredakteur der „Zeit“ und hat für seinen Beitrag zur deutsch-polnischen Verständigung das Große Bundesverdienstkreuz sowie zahlreiche andere Preise bekommen.) schreibt er über die deutsche Geschichte und Gesellschaft.

Eloquent und sprachgewandt skizzierte Krzemiński gestern Abend in Kiel vor dem zahlreich erschienenen (und überdurchschnittlich grauhaarigen) Publikum die Problematik der deutsch-polnischen Beziehungen im Kontext der gesamteuropäischen Politik unter Berücksichtigung des historischen Hintergrunds.

Opferrolle ausnutzen

Ausführlich ging er auch auf Fragen aus dem Publikum ein, wobei er mit Sachkenntnis und Schlagfertigkeit glänzte. So ließ er sich auch nicht provozieren, als ein Zuhörer die (auf Veranstaltungen dieser Art vermutlich unvermeidliche) Frage stellte, ob die Polen nicht endlich aufhören sollten, in der europäischen Politik ihre historisch bedingte Opferrolle auszunutzen und der Problematik um die Vertreibungen der Deutschen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten etwas mehr Verständnis entgegenbringen könnten. Ruhig und sachlich entblößte Krzemiński die historische Ignoranz seines Gesprächspartners und die Dürftigkeit dessen Argumente. Er betonte auch noch einmal die Tatsache, dass das Wissen um die Geschichte und Kultur der polnischen Nation in der deutschen Bevölkerung trotz geografischer Nähe zu Polen bedauerlich gering sei.

Im Anschluss an den fast zweistündigen Vortrag ließ sich Krzemiński zu einer Fortsetzung der Gespräche in der urigen Kieler Kneipe „Alte Räucherei“ überreden. Bei gutem Bier und leckerem Essen plauderten wir in kleiner Runde und ungezwungener Atmosphäre noch bis weit nach Mitternacht über Politik und vieles mehr. Adam Krzemiński hielt tapfer durch, obwohl er am nächsten Tag bereits um 6 Uhr mit dem ICE nach Berlin weiterfahren wollte. (fh)

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